Name und Herkunft

Die Ausführungen stützen sich auf Forschungsergebnisse, die in neuerer Zeit in verschiedenen Quellen veröffentlicht wurden. Im Hinblick auf die Erforschung seines Lebens ist daran zu erinnern, was der Paracelsus - Biograph Karl Bittel schrieb:

"Angesichts der Fülle von Widersprüchen in den Paracelsusbiographien bis in die jüngste Zeit könnte man meinen, dass die Rekonstruierung eines wahrheitsgetreuen Lebensbildes überhaupt unmöglich geworden sei."

"Urkundliches Material fehlt fast vollständig, im zeitgenössischen Spiegel erscheint seine Gestalt widerspruchsvoll verzerrt, und was sich an Überlieferung weitergegeben hat, verwob sich bereits zu Lebzeiten untrennbar mit der ‚Legende’."

Ziel der neueren Forschung ist es, die Tatsachen und das Legendäre voneinander zu trennen, und anhand der wenigen Dokumente, die erhalten geblieben sind, ein einigermaßen objektives Bild herauszuarbeiten. Verschiedene Autoren kommen zu verschiedenen Schlüssen, und manchmal bleibt nichts anderes übrig, als sich einfach einer Meinung anzuschließen, weil die wenigen erhaltenen Dokumente keine beweiskräftige Aussage zulassen.

Die Unsicherheit beginnt bereits damit, dass trotz aller Nachforschungen sein genaues Geburtsdatum nicht bekannt ist. Man bezieht sich bei der Ermittlung des Geburtsdatums auf die Angaben in den beiden Stichen des Monogrammisten AH.

Theophrastus Bombast von Hohenheim genannt Paracelsus
Theophrastus Bombast von Hohenheim genannt Paracelsus

Von den dort angegebenen Daten kommt man durch einfache Rückrechnung auf das Jahr 1493 oder 1494. Genauere Daten sind nur Vermutungen. Außer Zweifel steht die Tatsache der Geburt in Einsiedeln bzw. bei Einsiedeln im Kanton Schwyz.

Paracelsus bezeichnet sich selbst in der Großen Wundartzney als von Einsiedlen, des lants ein Schweizer. Problematisch dagegen ist wiederum die genaue Bestimmung des wirklichen Namens des Mannes, der später als Paracelsus berühmt wurde.

Eine Taufurkunde, aus der der ihm gegebene Name herauszulesen wäre, existiert nicht. Wir müssen also andere Dokumente, Urkunden und Texte zu Hilfe nehmen. Wir erkennen sehr schnell, dass der uns überlieferte Name aus verschiedenen Teilen besteht: Einen Teil hat er in der Taufe von seinen Eltern erhalten, ein weiterer Teil liegt begründet in seiner Abstammung. Zu Paracelsus´ Zeiten gibt den Familiennamen immer die väterliche Linie. Einen Teil hat er sich im Laufe seines Lebens selbst zugelegt oder wurde ihm von Zeitgenossen beigefügt.

die Vornamen
AUREOLUS, PHILIPPUS, THEOPHRASTUS

die Nachnamen
BOMBAST(US) von HOHENHEIM

der Humanistenname
PARACELSUS

Der angeblich vollständige Name „ Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt Paracelsus“ ist zu Lebzeiten nicht belegt. Von den überlieferten Namen erscheinen immer nur einige gemeinsam.

Die Vornamen

THEOPHRASTUS:

Man kann davon ausgehen, dass es der Taufname, der Rufname ist. Denn der Hohenheimer bezeichnet sich selbst in seiner Schrift Die Große Wundarzney als: „der ich doch Theophrastus heisse arts- und taufshalber.“ Möglich ist, dass er ihn vom Vater als eine humanistische Reminiszenz an den antiken Botaniker Theophrastos von Eresos (371 – 288 v. Chr.) erhalten hat. Mit diesem Manne beschäftigte man sich in seinem Elternhaus. Paracelsus erwähnt ihn in seinen Schriften in einer Weise, die auf eine tiefere Kenntnis der antiken Person und des von ihr hinterlassenen Werkes schließen lässt.

In den eigenhändigen Schriftstücken, die von Paracelsus erhalten sind, erscheint dieser Name auch als eigenständige Unterschrift. Was heißen soll: Ich, der Theophrastus!

Unterschrift in einem Brief von 1526 an Erasmus von Rotterdam
Unterschrift in einem Brief von 1526 an Erasmus von Rotterdam
Unterschrift in einem Consilium von 1535 für den Abt von Pfäfers
Unterschrift in einem Consilium von 1535 für den Abt von Pfäfers

AUREOLUS:

Paracelsus selbst nannte sich mehrfach „Aureolus“. Der wohl früheste Beleg ist im Paragranum von etwa 1530 zu finden:

"Es würd ein lange rede brauchen, lauter und klar zu entdecken, wie weit der Aristotelischen, stoischen, Platonischen philosophei hie gegen der meinen ston, auch Tirthemii Theophrasti gegen mir Aureolo Theophrasto..."
(VIII/72)

Er bringt hierin zum Ausdruck: Ich bin A. Th. im Gegensatz zu T. Th. Auch in seinen Sieben Defensionen taucht dieser Vorname auf. Der Name wurde von Paracelsus offensichtlich gehäuft in den späten dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts angeführt. Auf den beiden authentischen Stichen des Monogrammisten AH ist Aureolus ebenfalls Bestandteil des Namens. Doch muss offen bleiben, ob er tatsächlich Bestandteil des Taufnamens war oder nicht doch nur in späterer Zeit angenommen wurde.

Etwas abwegig, denke ich, ist die Vermutung, Aureolus soll ein Hinweis auf die Haarfarbe sein. Etwa in dem Sinne, dass ihn die Mutter „Golder, Goldköpfchen, Blonder“ genannt hat. Da liegt es schon näher, den Namen als im Nachhinein angenommen zu betrachten. Gold spielte in der alchimistischen Medizin eine große Rolle. Erinnert sei an das Aurum Potabile, das Trinkgold, ein in komplizierten chemischen Verfahren hergestelltes Lebenselixier. Paracelsus schreibt darüber:

"Von allen Elixieren ist das höchste und mächtigste das Gold. ... Wenn eine so große Kraft im Golde ist, daß es den Körper erhält und frei von jeder Krankheit bewahrt und ihn nicht verderben läßt, wie viel mehr geschieht dies ohne jede Infektion."
Sudhoff Bd III/273 in Übersetzung v. Dr. B. Aschner

Allerdings darf man sich darunter nicht vorstellen, dass flüssiges Gold verabreicht wurde, sondern nur ein Auszug der wirksamen Heilfaktoren. Mit Aurum Potabile wird in der Komplementärmedizin auch heute noch oder wieder gearbeitet.

PHILIPPUS:

Grabplatte
Platte des ehem. Paracelsusgrabes im Friedhof St. Sebastian (seit 1752 Sockel des Grabdenkmales in der Kirchenvorhalle

CONDITVR HIC PHILIPPVS THEOPHRASTVS INSIGNIS MEDICINE DOCTOR, QVI DIRA ILLA VVLNERA·LEPRAM PODAGRAM HYDROPOSIM ALIAQUE INSANABILIA CORPORIS CONTAGIA MIRIFICA ARTE SUSTULIT·AC BONA SVA IN PAVPERES DISTRIBVENDA COLLOCANDAQUE HONERAVIT·ANNO MDXXXXI DIE XXIIII SEPTEMBRIS VITAM CVM MORTI MVTAVIT·
PAX VIVIS REQVIES AETERNA SEPVLTIS·

Beerdigt ist hier Philipp Theophrast seines Zeichens Doktor der Medizin, der jene unheilvollen Leiden Lepra, Gicht, Wassersucht und anderes Unheilbares, für den Körper Ansteckendes mit wunderbarer Kunst wegnahm. Und er hat sein Vermögen geehrt, indem er es unter den Armen verteilte und unterbrachte. Im Jahre 1541 am Tag 24 des Septembers hat er das Leben mit dem Tode getauscht.
Friede den Lebenden, ewige Ruhe den Begrabenen.

Der Familienname

BOMBAST(US):

Der Familienname gibt eine Aussage über die Herkunft. Er führte den Namen des altschwäbischen Rittergeschlechts der Bombaste von Hohenheim. Das belegen ebenfalls erhaltene eigenhändige Unterschriften.

Unterschrift

Theophrastus Bombast von Hohenheim Doktor
Unterschrift in einem Brief von 1528 an Amerbach)

Die Bombaste von Hohenheim sind ein altes Adelsgeschlecht, dass sich bis zum 12. Jahrhundert in Schwaben urkundlich nachweisen lässt. Die Hohenheimer gehörten ursprünglich als Ritter zum lehensabhängigen niederen Adel, deren Stammsitz man südlich von Stuttgart vermutet.

Der Familienname tritt uns in verschiedener Schreibweise entgegen.

Bombast Banbast
Für Bombast oder Banbast gibt es verschiedene Deutungen. Banbast könnte identisch sein mit Baumast. Bombast ist die Ableitung davon.

Bombastus
Bombastus ist die lateinische Schreibweise.

Bombast – Der Einschub des Buchstabens b ist in den damaligen Quellen zuhauf anzutreffen. (Beispiel um b)

Eine andere Deutung geht davon aus, dass sich dieser Beiname von dem Baumwollstoff (pers.-griech. Bombax, mittellat. Bombycinium) herleitet, der gerade im 12. und 13. Jahrhundert in Mitteleuropa weite Verbreitung gefunden hatte. Möglicherweise haben Mitglieder der Familie damit gehandelt. Der Name bleibt in der Familie jedenfalls bis zu den letzten Hohenheimern im 16. Jhd. erhalten.

Stammbaum

Stammtafel der Bombaste von Hohenheim in Württemberg und die Abkunft des Paracelsus.
(Entwurf und Ausführung Ulrich Fellmeth)

Bezüglich des Namens ist noch etwas bemerkenswert: Bis ins 15. Jhd. findet er sich lediglich jeweils bei einem Sohn. Ob dadurch eine besondere Stellung in der Familie hervorgehoben wurde, ist nicht ganz geklärt.

Die Betrachtung des Stammbaumes der Bombaste von Hohenheim zeigt ein weiteres ungeklärtes Problem. Trotz jahrzehntelanger Nachforschungen konnte nicht mit letzter Sicherheit ermittelt werden, an welcher Stelle Bombastus – Paracelsus einzuordnen ist, besser gesagt sein Vater Wilhelm Bombast von Hohenheim, manchmal auch als Wilhelm Bombast de Riet benannt, da die Hohenheimer zu dieser Zeit ihren Wohnsitz nach Riet bei Vaihingen an der Enz verlegt hatten.

Wie bereits erwähnt, gehörten die Bombaste zum lehensabhängigen Adel. Hohenheim und Riet sind die Namen der Lehen.

Dass es sich bei den Bombasten von Riet und den Bombasten von Hohenheim um ein und dieselbe Familie handelt, geht aus folgender Tatsache hervor: In der Kirche der Ortschaft Riet wurde die Grabplatte des letzten nachweisbaren Vertreters der Familie entdeckt. Sie zeigt das Wappen, das die Bombaste von Hohenheim schon seit Jahrhunderten tragen.

Grabplatte

Grabplatte des Hans und Trutwin von Hohenheim in der Kirche von Riet bei Vaihingen/Enz, um 1460
(Quer über einen Schild verläuft ein Balken mit drei Kugeln)

Der Vater lebte bis 1534 als Stadtarzt in Villach in Kärnten.

"Dieser Herr Wilhelm hat sich zu Einsiedeln verheiratet mit einer ehrlichen Person, dem Abt daselbst obrichkeithalben zugehörig, mit welcher er Theophrastum Paracelsum im ehelichen Stand erzeugt hat."

Die Mutter war also eine Gotteshausfrau. Die Untertänigkeit der Gotteshausleute des Klosters Einsiedeln, zu denen die Mutter des Paracelsus gehörte, war offenbar erblich, was für Paracelsus rechtliche Konsequenzen hatte. Er stand selbst lebenslang in einem Hörigkeitsverhältnis zum Kloster Einsiedeln. Das geht auch aus der Tatsache hervor, dass das wertvollste Stück seiner Hinterlassenschaft – das sogenannte Besthaupt, in diesem Fall ein silberner Becher – rechtmäßig an den Abt vom Kloster Einsiedeln fiel.

Der Humanistenname

PARACELSUS:

Der Name taucht zum ersten Mal auf dem Titelblatt einer 1529 in Nürnberg gedruckten prognostischen Schrift des Hohenheimers auf. Von Seiten des Hohenheimers gibt es keine Erklärung dieses Namens. Es ist auch nicht bekannt, wer ihn prägte. Auch seine genaue Bedeutung ist nicht endgültig erschlossen.

Ich möchte Sie zu einigen Wortspielereien verleiten:

Para bedeutet im Griechischen: bei oder neben, wenn wir z B. an das Wort Paragraph denken. Es wird aber auch im Sinne von: daneben oder falsch verwendet, z.B. Parapsychologie.

Im Lateinischen bedeutet par soviel wie: ähnlich, gleich, gleichgestellt; z.B. Parasitus: jemand in der gleichen Lage. Das Wort wird im Lat. für Tischgast verwendet.

Celsus ist der Name eines römischen Arztes zur Zeit des Tiberius, bedeutet im Lat.: hoch, hochragend, erhaben, dieser Wortstamm begegnet uns in der Kombination: in excelsis deo, kann aber auch hochherzig, hochmütig bedeuten.

Sieht man sich die Bedeutung der Wörter an, sind verschiedene Kombinationen möglich, die einen Sinn ergeben würden. Hierbei verliert man sich aber in Spekulationen.

In der Literatur nimmt die Vermutung breiten Raum ein, Paracelsus sei eine der Sitte der damaligen Zeit entsprechende Übertragung des Namens Hohenheim ins Griechisch-Lateinische. Dafür sprechen einige Auffälligkeiten.

Auffällig ist, dass der Name kein eigentliches Pseudonym darstellt, denn in den prognostischen Schriften erscheint er nicht isoliert, sondern kombiniert mit anderen Namen. Da lesen wir:

"Practica D. Theophrasti Paracelsi, gemacht auff Europen…"

In diesen Werken taucht der Name Hohenheim nicht auf. Nach Erscheinen der Schrift Von dem Bad Pfeffers 1535 wird die Bedeutung klarer. Der Autor wird auf dem Titelblatt als Theophrastus Paracelsus ausgewiesen, die Vorrede ist aber mit Theophrastus von Hohenheim unterzeichnet. Auf dem Titelblatt der Grossen Wundarzney von 1536 heisst es dann: Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus. Hohenheim und Paracelsus kommen zu Lebzeiten nie in direkter Verbindung vor. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass Paracelsus eine Übersetzung seines ursprünglichen Namens darstellt.

Bringt man ‚bei’ und ‚hoch’ zusammen, wäre eine Deutung als „auf der Höhe zu Hause“ möglich. Jedoch lässt sich das auch mit letzter Sicherheit nicht sagen.

Plausibel scheint, dass Personen seines näheren Umfeldes einer Modeströmung der Zeit folgten, z.B. der Mineraloge Georg Bauer nannte sich Georgius Agricola, der Humanist und Reformator Philipp Schwarzert – Melanchthon. Schwer vorstellbar ist, dass sich der Hohenheimer selbst einer Modeströmung der Zeit unterwarf.

Für die Annahme, Paracelsus ließe sich in Zusammenhang bringen mit dem römischen Arzt Celsus, gibt es kein Indiz. Im Gegensatz zu Theophrastos Thirthemius wird eine Person namens Celsus an keiner Stelle in den Werken des Hohenheimers erwähnt.

Als Tatsache bleibt, dass der Name Paracelsus schon bei seinen Zeitgenossen ein Begriff war, dessen Bedeutung und Wirkung bis in unsere Zeit nachhallt.

Bezugsliteratur: