Der Arzt

Entsprechend seiner Philosophie ist für Paracelsus Heilung die Wiedereinführung des Kranken in die göttliche Ordnung der Natur, eine Rückkehr in die Geborgenheit ihrer Gesetze. Da die Welt von Zeit und Raum eine göttliche Schöpfung ist, liegen ihr a priori Ordnung und Harmonie zugrunde. Verstöße gegen diese Grundlagen führen zu Disharmonie und Unordnung. Diese bewirken beim Menschen zunächst Erkrankungen der Seele und danach des Körpers. Auf gesellschaftlicher Ebene führen derartige Verstöße zu »Krankheiten« in Staat und Kirche, Wirtschaft und Politik. Der Arzt Paracelsus agiert nicht gegen die Symptome eines kranken Menschen, einer kranken Gesellschaft, sondern nimmt sich des Kranken an. Dem Hohenheimer geht es nicht ums Reparieren, sondern ums Heilen. Heilen aber bedeutet für ihn beim Individuum wie bei der menschlichen Gesellschaft die Rückführung in göttliche Harmonie und Ordnung.

DER ARZT Paracelsus fasst Medizin und Arzttum als göttlichen Auftrag auf und setzt damit noch heute gültige ethische Maßstäbe.

Nun merket,
daß Gott den Arzt unter allen Künsten
und Fakultäten der Menschen
am liebsten hat,
ihm befiehlt und gebietet.

Paracelsus, 1/VIII/205