Bildungsreise Franckesche Stiftungen 2016

Bildungsreise nach Halle/Saale am 22. Oktober 2016 zu zwei europäischen Geistesgrößen

Nicht nur Luther, sondern auch Paracelsus schrieben Bildung und Erziehung in einer „reformierten“ Gesellschaft prägende Bedeutung zu. An diesen Erkenntnissen und Konzepten vor allem Luthers orientierte sich über 130 Jahre später August Hermann Francke.

Francke tolerierte ausschließlich Musik zu Erbauungszwecken, nicht zur Unterhaltung. Sein Zeit- und Stadtgenosse, der 22 Jahre jüngere Georg Friedrich Händel, betätigte sich jedoch erfolgreich auch als Opernunternehmer.

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle - Schulstadt mit reformatorischen Ideen

Bildung, die die individuellen Ansprüche jedes Kindes berücksichtigt... Bildung, die Lernen unabhängig von sozialen Schichten ermöglicht... Bildung, die praxisnahes Lernen fördert... Moderne Ideen, die August Hermann Francke schon um 1700 verwirklichte.

Als der pietistische Theologe und spätere Pädagoge und „Unternehmer“ August Hermann Francke (1663-1727) im Jahr 1692 in Glaucha eine Pfarrstelle übernahm, war die Kleinstadt vor den Toren Halles von Krankheiten, Kriegsfolgen und sozialer Verwahrlosung gezeichnet. Ab 1698 ließ August Hermann Francke seine Schulstadt mit dem weltberühmten Waisenhaus errichten, um seine an Luthers Reformation anknüpfenden Ideen umzusetzen. Für die Frühe Neuzeit waren nicht nur seine pädagogischen Konzepte sondern auch die Architektur der Franckeschen Stiftungen einzigartig und zukunftsweisend.

Ankunft Franckesche Stiftungen bei Regen
Ankunft Franckesche Stiftungen bei Regen

So einzigartig die Bauwerke und Ausstellungen der Franckeschen Stiftungen aber auch sein mögen, das beeindruckendste an ihnen ist, dass Sie bis heute lebendig sind. Denn bis heute beherbergen Sie mehrere Schulen, einen Kindergarten sowie ein Seniorenpflegeheim.

Einige Zahlen und Fakten

Das Gelände der Franckeschen Stiftungen umfasst 16 Hektar, besteht aus mehreren Gebäuden und beherbergt unter anderem das längste Fachwerkhaus Europas mit einer Länge von 110 Metern.

Eine Einrichtung der Franckeschen Stiftungen ist das Cansteinsche Bibelkabinett, die älteste Bibelanstalt der Welt, in der zwischen 1712 und 1934 mehr als acht Millionen Bibeln in vielen Sprachen der Welt gedruckt wurden.

Beginn der Führung
Beginn der Führung

In den Franckeschen Stiftungen findet man den ältesten erhaltenen profanen Bibliotheksbau Deutschlands, mit dessen Bau 1726 begonnen wurde.

Die Franckeschen Stiftungen sind Heimstatt des ältesten weltlichen Knabenchores in Deutschland, dem Stadtsingechor.

Das Gebäude des ältesten Kinderkrankenhauses in Deutschland, 1721 errichtet, ist ebenfalls Teil der Stiftungen.

Quelle: www.francke-halle.de, www.sachsen-anhalt-tourismus.de

Denkmal A. H. Francke in den Franckeschen Stiftungen
Denkmal A. H. Francke in den Franckeschen Stiftungen

Stadtrundgang

In der viertürmigen Marktkirche Unser Lieben Frauen, mit ihrer seinerzeit zweigeteilten Gottesdienstnutzung der unterschiedlichen Stände, werden in einer Seitenkapelle der Originalabguss und auch die Totenmaske Martin Luthers aufbewahrt.

Den Universitätsgebäuden, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Burg Giebichenstein wird viel Aufmerksamkeit zur Rettung und Sanierung der Bausubstanz gewidmet. Bemerkenswert ist: Im Jahre 1724 immatrikulierte sich der erste afrikanische Student Europas, Anton Wilhelm Amo, an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel wurde 1685 in Halle geboren und verlebte dort die ersten18 Jahre. Er war und ist einer der einflussreichsten Musiker weltweit. Er prägte maßgeblich das musikalische Schaffen des europäischen Barock, flankiert von seinen deutschen Zeitgenossen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Telemann.

Haendeldenkmal am Markt
Haendeldenkmal am Markt

Händels Werke werden seit 250 Jahren in vielen Konzert- und Opernhäusern aufgeführt. Zum Beispiel das bedeutendste Oratorium „Messias“ mit dem grandiosen Chorwerk „Halleluja“, das er als Spätwerk erst nach seinem Schlaganfall 1741 komponierte. Nach Hamburg und Hannover wählte er ab 1712 London als seine neue Heimat und Zentrum seines künstlerischen Schaffens, wo er 1759 auch starb und, hochverehrt, in der Westminster Abbey beigesetzt wurde. Er engagierte sich stark in sozialen Hilfswerken durch umfangreiche Spenden.

Wir besuchten das Händelhaus und das Denkmal auf dem Markplatz. Im Händelhaus blieb durch die Zweiteilung unserer Reisegruppe und die Panne bei der Organisation von ausreichenden Betreuern leider nur sehr eingeschränkte Zeit, die gut gegliederten und übersichtlich aufbereiteten Ausstellungsbereiche besser kennen zu lernen.

Neben so viel Genuss von Bildung und Kunst bot sich zum Abschluss des Tages ein Besuch der Halloren Schokoladenfabrik AG mit dem Hang zum Versüßen der Rückreise an – für Viele eine unwiderstehliche Versuchung!

Anmerkung:
Als Halloren werden seit dem Spätmittelalter die Salinenarbeiter in Halle an der Saale bezeichnet. Heute wird der neuzeitliche Begriff Hallore hauptsächlich für die Mitglieder der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle verwendet. (Quelle: Wikipedia.de)

Fotos: M. Kummer